
Service Design Lehrauftrag II an der HfG Schwäbisch Gmünd mit dem Kooperationspartner Deutsche Telekom
Auch dieses Jahr betreuten wir wieder ein Service Design Projekt im Bereich Produktdesign/Prozessgestaltung der HfG Schwäbisch Gmünd – diesmal in einem interdisziplinären Dozententeam und der Deutschen Telekom als Kooperationspartner.
Projektziel
- Produkt-Design Studierende mit dem Ansatz des Service Designs anhand eines Praxisprojekts vertraut zu machen
- Die Entwicklung von innovativen Konzepten im Kontext Smart Homes für Zielgruppen im Bereich B2B und B2C
Zeitraum
Sommersemester März – Juli 2011
Smart Homes – Überflüssig oder Zukunft?
Mein Kühlschrank kommuniziert mit dem Supermarkt, mein Garten mit dem Rasenmäher und mein Handy mit dem Herd! Verrückt? Zukunft? Oder einfach nur überflüssig?
Ansätze für smart solutions in automatisierten Haushalten gibt es seit Jahren, doch welche Bedürfnisse sind real existent, welche Service-Produkt-Systeme bringen wirklich einen Mehrwert? Dieser Markt der Zukunft ist bisher wenig erforscht. Was wünschen sich Zielgruppen wie Familien, die Generation 50+ oder Singles für ihr Haus der Zukunft? Wie können alltägliche Prozesse effizienter gestaltet werden, damit Produkte und Dienstleistungen Hand in Hand innovative Lösungen schaffen?
Auch die Anbieterseite muss betrachtet werden, da Kooperationen und Abstimmungsprozesse zwischen Bauträgern, Architekten oder Anbietern von Weißer Ware sehr komplex sind. Ein so umfangreiches Vorhaben wie ein SMART HOME kann nicht von einem Anbieter alleine konzipiert und realisiert werden. Somit ist eine bewusste und systematische Gestaltung der Abläufe und Organisationsketten unerlässlich. Es bedarf Dienstleistungen für die Dienstleister.
Produkt Designer und Service Design – ein erfolgreiches Duo?
Was ist eigentlich die Aufgabe eines Designers? Wieso ist es heute als künftiger Produktgestalter enorm wichtig, sich auch mit dem Thema Dienstleistungsgestaltung zu beschäftigen? Worin unterscheiden sich Produkte und Services? Und vor allem: Wie arbeiten Service Designer und welche Potential bietet mir dieses neue spannende Feld als Produkt Designer?
Eine Menge Fragen, die wir mit den Studierenden diskutiert haben und der deutlich erkennbaren Tendenz – nur in meinem eigenen Bereich zu schauen lässt mich im Berufsleben später „alt aussehen“: Angebote vernetzen sich und künftig werden Produkt-Service-Systeme statt isolierter Einzelleistungen benötigt. Neue Anforderungen an Angebote bedeuten jedoch im Umkehrschluss neue Herausforderungen für diejenigen, die diese Angebote entwickeln und gestalten – somit auch für Designer.
Recherchevorbereitung – die Welt potenzieller Kunden
Nachdem wir die grundsätzlichen Fragen diskutiert hatten, waren die Studierenden gefragt: Anhand von kleinen Wissensaufträgen vertieften sie nicht nur ihre Kenntnis in Punkto Dienstleistungsgestaltung und Recherchemethoden, sondern setzten sich auch mit dem Thema Smart Homes – history, state of the art und future – auseinander.
Mit den entscheidenden Grundlagen im Gepäck ging es weiter mit der Recherchephase. Die Deutsche Telekom schlug fünf Zielgruppen vor, aus denen die Studierenden vier zur Bearbeitung wählten: Aus dem B2B-Bereich „Weiße Ware“ und „Bauträger“; aus dem Bereich B2C „Upper Singles“ und „Familien“.
Unterwegs und mitten Drin
Mit eigens entwickelten Design Games und Fragentools besuchten die Studierenden ihre Zielgruppe.
So füllte eine Gruppe im Garten unter’m Regenschirm Desktop Walkthroughs mit den Probanden aus und dokumentierte auf diese Weise deren "typischen Tag".
Andere ließen die Wohnungen ihrer Probanden durch pro und contra Stickern einteilen „Was fällt Ihnen in Ihrem Alltag leicht und welche Aufgaben würden sie gerne an andere abgeben?“.
Die Ergebnisse aus der Recherchephase wurden geclustert und zu Kernerkenntnissen formuliert. Diese lieferten die Grundlage für den ersten gemeinsamen Ideenworkshop mit der Deutschen Telekom. In den folgenden Wochen entwickelten dann 12 kreative Köpfe in Teamarbeit fünf neue Konzepte im Kontext von Smart Homes.
5 Smart Home Konzepte

Brick
Brick. ist eine Internet-Plattform, auf der sich Bauträger, „Häuslebauer“ und Handwerker – im Kontext Smart Homes bauen – untereinander vernetzen, informieren und schulen lassen können. Hier treffen Bauträger z. B. auf Handwerker, die mit komplexen Installationen für Smart Homes vertraut sind. Die Handwerker ihrerseits können sich auf Brick. über technische Geräte und deren Kompatibilität informieren.
Auch künftige Hausbesitzer finden auf Brick. Bauträger, die als Spezialisten in diesem Bereich genannt werden. Ein Bewertungs- und Kompetenzprofil erleichtert das Finden und Gefunden werden. Darüber hinaus dient es zur Sicherstellung des gewünschten Qualitätsstandards aller Beteiligten.

Kinderleicht
Dieses Konzept ist auf die alltäglichen Bedürfnisse von Familien mit Kindern zugeschnitten, was Themen wie Haushalten, Gefahren im Haus, Ernährung oder Stromkonsum betrifft.
„Kinderleicht“ ist eine App für smart tablets: Für jedes Familienmitglied können individuelle Konfigurationen erfolgen, mit der beispielsweise Freigaben oder Einschränkungen (Elektrogeräte) vorgenommen werden. Außerdem enthält dieses Tool Funktionen, die die Alltagsorganisation erleichtern oder dessen Nutzer als Informationswerkzeug dienen: neben einem Lebensmittellexikon für Groß und Klein zeigt es z. B. den aktuellen Stromverbrauch an.

Eco in hands
Hier ist der Name Programm: „Eco in hands“ ist eine App für’s Smartphone, die dessen Nutzer motiviert Energie zu sparen – dabei wird das Smartphone zur Anzeige des täglichen Energieverbrauch, indem es Informationen über die im Heim eingebauten Geräte sammelt und bereitstellt.
Der Nutzer entscheidet dabei, ob er sich den Verbrauch auf spielerische oder informative Weise anzeigen lässt. Möchte er keine klassischen Informationsgrafiken, so kann er zwischen verschiedenen virtuellen Charakteren – etwa einem Eisbär, dem die Eisscholle im übelsten Fall unter den Füßen dahinschwindet – wählen. Darüber hinaus stellt der Gaming Modus wöchentlich neue Aufgaben, die den Spieler anspornen noch mehr Punkte (z.B. Fische für den Eisbären) zu sammeln – ergo Strom zu sparen.

Sweet Home
Ein Zuhause, das wie ein Lebensgefährte mitdenkt und Gewohnheiten kennt. Dieses Konzept orientiert sich an den Bedürfnissen von Upper Singles, die viel Geld, aber wenig Zeit haben, Unterstützung im Haushalt suchen und sich in den eigenen vier Wänden auch alleine sicher fühlen möchten.
Das System: Der Mensch ist über sein Smartphone mit seinem Heim verbunden. Das Haus registriert, wenn er es verlässt, schaltet alle Geräte aus und schließt die Tür automatisch ab. Nähert man sich seinem Zuhause – der „Sweet Home Zone“, macht das Haus sich „parat“, um einen aufgeheizt und "persönlich" zu empfangen. Das System lernt Rituale seines Nutzers kennen und automatisiert diese.

SMARTogether
Smartogether ist die Idee einer sozial vernetzten Community. Das Netzwerk-Tool "ComU" ist die Basis für eine real bzw. physisch existierende Gemeinschaft (die „ComU“) von Smart Home Eigentümern. Es bildet den integralen Bestandteil eines jeden Smart Home und kann über smart devices gesteuert bzw. genutzt werden.
Über das ComU-Tool ist die Community untereinander vernetzt. Hierüber lassen sich Prozesse wie Energiegewinnung, Wasserkonsum oder Automatisierungsprozesse steuern. Im ComU-Tool sind weitere Applikationen enthalten, wie z.B. das Orga-Tool oder das Secure-Tool, über das Zugriffsrechte an Nachbarn vergeben werden können.
Diese Gemeinschaft kann sowohl in form direkter Nachbarschaft, als auch – begünstigt durch die Smart Homes – als virtuelle/physische Community existieren. Ziel ist die Smart Homes und die damit verbunden technischen Lösungen zu nutzen, um Menschen zusammen zu bringen und das soziale Miteinander zu unterstützen.









